Marx: Die Schöpfung gibt eine Ahnung von der Wirklichkeit Gottes

Kardinal Reinhard Marx feierte Messe anlässlich der Landshuter Hochzeit 2017

Landshut, 16. Juli 2017. Kardinal Reinhard Marx hat dazu aufgerufen, die Urlaubszeit dazu zu nutzen, genauer hinzusehen, Erfahrungen in der Natur zu machen und in der Schöpfung einen Hinweis auf den Schöpfer zu sehen. Der Erzbischof von München und Freising predigte am Sonntag, 16. Juli, anlässlich der Festspiele zur historischen Landshuter Fürstenhochzeit in der Landshuter Stiftsbasilika.

In seiner Homilie zum Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld (Mt 13, 1-23) legte Marx dar: „Jesus spricht seine Jünger an und er hofft, dass sie wenigstens hinsehen und verstehen, dass sie wenigstens hören und begreifen – nicht wie die vielen anderen, die das faszinierende Wort des Evangeliums aufnehmen, aber im Grunde ihr Leben weiterleben wie bisher.“ Dies sei auch ein Aufruf an die Christinnen und Christen von heute.

Die Urlaubszeit sei für viele Menschen die Gelegenheit, genauer hinzusehen. Es gehe nicht darum, Motive für die Kamera zu sammeln, sondern Bilder für Herz, Verstand und Leben. Die meisten sammelten im Urlaub Erfahrungen in der Natur, ließen sich hineinziehen in die Faszination der Natur. „Da suchen die Menschen eine Ruhe, eine Offenheit. Sie kommen aus dem Staunen nicht heraus über die Wunder der Schöpfung“, so Marx. Es sei sehr wichtig, dass „wir sehen lernen“, erläuterte der Erzbischof von München und Freising, „dass wir hinsehen lernen und uns faszinieren lassen vom Geheimnis der Schöpfung, von dem, was uns wunderbar gegeben ist.“

Die Schöpfung sei darauf angelegt, Gott zu preisen und die Menschen zu öffnen für eine noch größere Wirklichkeit als die, die wir sehen, erläuterte Kardinal Marx und erinnerte an eine Betrachtung Kardinal Joseph Ratzingers, des späteren Papstes Benedikt XVI., zum Römerbrief beim Katholikentag 1984 in München. „Die ganze Schöpfung, in der wir leben, ist auch ein Hinweis auf den Schöpfer, obwohl der Schöpfer nie Teil der Welt ist.“ Die Schönheit, Größe und Faszination der irdischen Wirklichkeit gebe aber eine Ahnung von der Wirklichkeit Gottes, sagte Marx.

Im unendlich großen Kosmos sei diese Erde und das menschliche Leben absolut unwahrscheinlich. Papst Franziskus lade in der Enzyklika „Amoris laetitia“ ein, das Außergewöhnliche unseres Lebens zu verstehen und dafür dankbar zu sein. Es gelte nicht „Germany first“ oder „America first“. Die Schöpfung sei das Haus für alle, so Kardinal Marx.

„Im Zentrum unseres Staunes über die Schöpfung und über das menschliche Leben steht die Weitergabe des menschlichen Lebens“, führte Marx aus. Eltern wirkten durch ihre Hingabe, durch ihre sexuelle Liebe, durch ihre vertrauensvoll Gestaltung der auf Dauer angelegten Beziehung durch Mann und Frau mit an der Schöpfung. „Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus, dass Menschen von Gott die Möglichkeit geschenkt bekommen, das Leben durch die Liebe weiterzugeben.“

So könne man auch begreifen, was es bedeute, eine Hochzeit zu feiern – durch das Alte und Neue Testament und die Menschheitsgeschichte hindurch. Im Nachfeiern der Landhuter Hochzeit werde die Lust an der Freude des Lebens deutlich und das Staunen über die Kostbarkeit des menschlichen Lebens. „Ihr feiert nicht nur euch selber, ihr feiert das Leben selber“, sagte Kardinal Marx auf die Festspiele bezogen. „Ja, es ist ein Anlass zu feiern und dankbar zu sein, dass wir leben dürfen, dass uns das Haus der Schöpfung geschenkt wurde.“ Das Staunen über die Schöpfung führe uns weiter. „Wir spüren, dass die Schöpfung nicht in sich verschlossen ist, sondern ein Geheimnis birgt, das geöffnet wird. Diese Geheimnis ist die Menschwerdung Gottes“, so Marx. „Gott liebt die Schöpfung so sehr, dass er selbst der Bruder aller Menschen wird.“ (glx)

Bild: Von Wolfgang Roucka – Erzbischöfliches Ordinariat München, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15369649

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